23. Februar 2007

INDIA - Robersganj Aera

Ja, an den Sonntagen, da haben Nadine und ich eine Velo-Rikscha geschnappt und sind ins Blaue gefahren. Fuer eine halbe Stunde muehsames trappen unter der heissen Sonne im dichten indischen Verkehr hat uns der Fahrer am Ende um 2.8 Rappen gebeten!

Die Gegend hier ist wirklich wunderschoen aber verlassen. Hier verbrachten wir unsere einzigsten ruhigen Minuten in diesem Lande, fern von allem Verkehr, Laerm und Menschenmassen...
Also, mal schauen, ob es noch fuer einen Post reicht in Indien, ansonsten sehen wir uns bald in der Schweiz wieder! Yup, das einzige, auf was wir uns wirklich freuen ist ein saftiges, fettes Staek von einer hier halt heiligen Kuh! Es liebs Gruessli!

INDIA - At the peadiatrician's departement

Das ist Dr. Mary. Sie ist Kinderaerztin, aus England und seit Jahren weltweit in der Mission taetig. Seit einigen Monaten ist sie hier im Spital und betreut die Kinderintensivstation, Geburtenabteilung und erstellt all die Impfprogramme. Zudem betreut sie am Sonntag die Sonntagschule fuer all die Kinder vom Campus. Ihr ganzes Leben hat sie den Kindern gewidmet...
Sie ist wirklich mit ganzem Herzen Kinderaerztin. Noch selten habe ich jemanden so intensiv und lange mit ihren Patienten spielen sehen! :-) Ja, und die Kinder moegen sie auch, sie strahlen sogar, wie ihr auf dem Bild oben seht, wenn sie zum Doktor gehen duerfen! Na gut, es ist ja schon was ganz besonderes, wenn mal ein Europaer diese abgelegene Gegend besucht...
Alle kriegen hier ihre Impfungen, werden gewogen, gemessen, untersucht, aehnlich den europaeischen Standards.
Manchmal, wenn ich mit ihr auf "Rounds" gehe, sehe ich schon ganz schlimme Krankheiten an dennen die Kinder leiden, das bricht einem manchmal das Herz. Wie schoen war's doch, als Sacha, ein australischer Student da war und mir beibrachte, wie man Ballone formt. Er hat mir auch alle hinterlassen, damit wir gerade diesen Kinder eine Freude machen koennen, denn der Alltag im finsteren Raum kann ganz schoen langweilig werden - es kommt kein Clown, keine Unterhaltung mit einer netten Geschichte oder so, wie es in unseren Kinderspitaelern ueblich ist.
Ja, leider neigt sich unser wunderbarer und unvergesslicher Aufenthalt in Indien langsam dem Ende entgegen. Noch einige Tage und wir reisen zurueck nach Delhi, wo wir mit Familie Pillai, dem Gruender des groessten Bible College und Waisenhauses in Indien, einige Tage verbringen werden. Oben seht ihr ein Gruppenfoto mit allen Leuten die hier arbeiten. Die meisten von ihnen sind aus Suedindien aber arbeiten schon ihr ganzes Leben lang hier im Missionsspital. Diese Woche habe ich einige Vortraege gehalten, jongliert fuer die Kinder, Fotoshows gezeigt (die Kirche war gerangelt voll!) und mit Nadine Geschichten erzaehlt. Das war ganz schoen anstrengend und auch naechste Woche werden wir mehr auf diese Art verbringen, als im Spital arbeiten. Es ist unglaublich, wie wir mit solch kleinen Sachen, so grtosse Freude bereiten koennen.

8. Februar 2007

INDIA - At the Eyes Departement

Das Jiwan Jyoti Christian Hospital ist weit und breit die einzige Klinik, denn niemand will hier, wo die Armut und das Elend so gross sind, arbeiten. Schon in den 30er Jahren wurde aber hier draussen eine Augenklinik eroeffnet, die jetzt mit Hilfe der Christoffel Blindenmission weit bekannt ist, so dass die Menschen sogar aus anderen Bundesstaaten anreisen, um sich hier operieren zu lassen. Somit wurde die Augenklinik zum groessten Departement des Spitals und monatlich rennen hier rund 3000 Patienten die Tueren ein, die von den beiden Augenaerzten gesehen und meistens auch noch gerade operiert werden. Auf den Bildern seht ihr oben Dr. Jude und unten Dr. Jacob, wie sie an den Augen untersuchen und behandeln.

Es ist unglaublich, dass die hier arbeiten koennen, denn es stehen immer mindestens 20 weitere Patienten vor dem Behandlungstisch, wohlbemerkt, dass der Raum nur einige Quadratmeter gross ist... Die meisten Patienten ab 40 leiden an Katarakt und sind komplett blind. Fuer sie ist es schon ein grosses Wunder, wenn sie einige Stunden spaeter wieder sehen koennen!

Und so siehts im Augenoperationssaal aus. Es hat 2 Mikroskope, wo die Aerzte arbeiten und in der Mitte sitzt ein Assistent, der ihnen gleichzeitig die Instrumente und die neuen Linsen reicht, die Anaesthesie macht und alles steril abdeckt. Regelmaessig finden sogennannte "Eye Camps" statt, wo ein Missionsarzt aus dem Westen fuer einige Tage operiert. Dabei geht ein Bus in alle umliegende Doerfer und sammelt alle blinden Leute zusammen. Fuer 10 Rupien (2.8 Rappen) wird ihnen dann eine Untersuchung, Transport, neue Linse, Operation, Sonnenbrille und Medikamente geschenkt. Taeglich werden so ungefaehr 40 Operationen fuer die Aermsten der Arrmen abgewickelt.

Da haben wir Dr. Ajit, er ist ein pensionierter Allgemeinpraktiker aus England und geborener Inder. Jedes Jahr kommt er mit seiner Frau in dieses Spital. Er arbeitet ein volles Pensum in der Augenklinik, so dass an diesen Tagen doppelt so viele Patienten versorgt wreden koenen. Fuer Nadine und mich ist es ein besonderer Segen, dass er und seine Ehefrau (Radiologin) da sind, gemeinsam wohnen wir im gleichen Haus, lachen viel und bekommen weisen Rat bei unseren alltaeglichen Sorgelein.
Ja, Dr. Ajit kommt uebrigens jeden Moment mit Nadine aus Bangalore zurueck. Er hat dort mit einem Freund an einem Projekt gearbeitet und hat sie auch fest unterstuetzt als sie erkrankt ist. Am Telefon hat sie aber schon anfangs Woche wieder ganz munter getoent...

Hier sehen wir Dr. Suboth, der Chef der Augenklinik bei einer Kataraktoperation. Er ist derjenige, der am laengsten hier arbeitet und ist ein bewundernswerter, demuetiger und ruecksichtsvoller Mensch. Operiert wird mit einem Mikroskop. Obwohl ein Phako-Geraet da ist, benuzt man es nur selten, denn man spart Zeit und die Aerzte sind so geschickt, dass sie mit oder ohne das gleiche Resultat erzielen. Ohnehin koennte man bei diesen groben und fortgeschrittenen Katarakten diese moderne Technik gar nicht anwenden! Eine Operation dauert uebrigens keine 12 Minuten...

Das sind seine beiden Toechtern, die juengere hat soeben einige Traenen vergossen, denn sie musste einige Spritzen ueber sich ergehen lassen und ist zudem an Malaria erkrankt.
Ja, hier macht es besonders Spass zu arbeiten, denn in Augenheilkunde habe ich ja auch schon mein Examen abgelegt und es ist auch eine super Erfahrung, mal zu sehen, was man in Theorie mal alles runterplappern musste, haha!

INDIA - At the Surgeons Departement

Das ist Dr. Uttam, Chirurge und Chefarzt des Jiwan Jyoti Christian Hospitals. Die letzte Zeit verbrachte ich nur mit ihm und fuer mich war's der Hoehepunkt meiner bisherigen aerztlichen Karriere! Kein Arzt hat mich in meinem Innersten mehr bewegt als er. Nun moechte ich euch berichten, wie er Menschen behandelt, ihnen zur Seite steht, sie troestet, ihnen Hoffnung gibt und ich manchmal im Versteckten eine Traene abwischen muss, wenn er sich zu einem schwer kranken Patienten setzt, ihm den Arm ueber die Schulter legt und mit ihm redet, ihn ermutigt und mit ihm betet.

Hier seht ihr ihn in seinem Buero, wie er gerade die Krankengeschichte eines kleinen Knaben aufnimmt, der eine Hernie hat. Draussen vor der Tuere draengeln schon 6 andere Patienten, deren KG's auf dem Tisch liegen. Doch er nimmt sich einfach Zeit um mit den Menschen zu reden. Am naechsten Tag, werden dann diese Patienten operiert.

Ja, der neue Tag hat begonnen - heute sind 10 Operationen auf seinem Programm. Gebaermutterentfernungen, Hydrocelen, Gallenblasenentfernung, Sterilisierung, Darmentfernung, Hernie... immer switcht er zwischen den beiden Operationsaelen hin und her. Doch, auf dem Bild sehr ihr Dr. Uttam nicht als Chirurgen, sondern als Anaestesisten bei einer Spinalanaesthesie, denn leider hat dieses Spital keinen Narkosearzt, so dass er es selber macht. Manchmal unterstuetzt ihn eine Schwester.

Soeben hat er mit einem Pfleger als 1. Assistent, eine Gebaermutter entfernt, die er mir entgegenstreckt, haha! Ja, Dr. Uttam ist Chirurge, Gynakologe (gibt es hier auch keinen), Anesthesist, Urologe, manchmal Orthopaede und Radiologe in einem. Meistens kann ich ihm assistieren waehrend den Operationen und das ist fuer mich total interessant, denn er foerdert die Menschen wie kein anderer. In Indien lernt man schon als Student alleine Kaiserschnitte zu machen, deshalb machen diese alle Assistentzaerzte und wahrend den Diensten auch der Orthopaede, die Augenaerzte, etc.!

Hier seht ihr sein komplettes Team bei einer Laparoskopie. Niemand ausser ihm hat eine spezielle Ausbildung in Chirurgie, alle unterstuetzen ihn nur aus ihrer Erfahrung im Spital...

Am Morgen und am Abend gehen wir zusammen auf die Rounds, die Visite. Das ist immer besonders spannend und es passieren auch lustige Sachen. Da fragt zum Beispiel mal ein Patient, ob er nicht lieber ein Medikament anstatt die Operation einer Leistenbruchrevision haben duerfte...

Diese Familienfoto habe ich auch geschossen, als wir wieder einmal bei ihm zu Hause eingeladen waren. Seine Ehefrau Pinky ist Lehrerin und Nadine versteht sich besonders gut mit ihr - mal gehen sie zusammen aus mit einer Rischka, dann gehen sie zum Friseur (ein Haarschnitt kostet 2.50 Fr.) oder zum shoppen. Dr. Uttam hat selber auch in Amerika studiert und koennte mit seinem Geschick so grosses Geld verdienen, doch er dient lieber den Menschen und das schon seit Jahren. Selbst eine Putzfrau, die nirgendwo sonst einen Job gekriegt haette und etwas mehr Geld brauchte um ihre Familie zu versorgen machte er zu seiner Sekretaerin, obwohl sie ihm kaum etwas nuetzt, denn sie kann weder schreiben noch lesen! Ja, und seine beiden Toechter, die ihr auf dem Bild seht, hat er adoptiert und beide gehen noch zur Schule. Also, was ich sonst noch erlebe, erfaehrt ihr etwas weiter unten...